Berlin Marathon Teil 1

Mister Matthew und Barb

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Letzte Woche Montag, um 5 Uhr in der Früh, war es mal wieder soweit. Ausgetrocknet von meiner langen Shooting-Pause, lag ich da, wie eine alte, verschrumpelte Pflaume, als mein Wecker das Schreien anfing. Berlin stand auf dem Plan. Mein ganz persönlicher Berlin Shooting Marathon.

Meine große Herausforderung bestand darin, 4 Shooting Termine und einen Besuch bei der ESMOD Fashion University auf 24 Stunden zu verteilen. Ich war zwar zwei Tage in Berlin, Montag und Dienstag, wenn man aber Schlaf, Fahrt, Nacht ect. abzieht, so sind es nur 24 Stunden, eigentlich sogar noch weniger. Also lag die Kunst in meinem Berlin Marathon in den Shootings, aber auch in der Organisation.

Mein Koffer voller Fashion, für meinen Shooting Marathon in Berlin.
Mein Koffer voller Fashion, für meinen Shooting Marathon in Berlin.
Recht bequem und trotzdem chic. Lederstiefel und Anzughose.
Recht bequem und trotzdem chic. Lederstiefel und Anzughose.

Angekommen in Berlin, bereit für den Marathon, ging es auf dem direkten Weg zur U-Bahn, wo ich mich nach einer kleinen Peinlichkeit, bei der ich Versuchte meine EC-Karte in den Geldschein Schlitz einzuführen, auf den Weg zur Fashion University machte. Hier angekommen, war es recht weit zu laufen, was aufgrund meines Koffers mit Rollen auf dem Kopfsteinpflaster, ziemlich verkrüppelt hat aussehen müssen. Kurz vor den Toren der University, wies mich ein Müllmann auf den Eingang hin: “ Zur ESMOD Fashion University, geht es da lang!“ Nun gut dachte ich mir und war erstaunt über die Freundlichkeit. So machte ich mich auf den Weg, der Richtung nach, in die der Müllmann seinen süßen, kleinen, aber schmutzigen Zeigefinger richtete. Keine paar Meter weiter, kam ich an einer Bank vorbei, auf der eine, kleine, hübsch gekleidete Vietnamesin saß und ihre Morgen Zigarette genoss. „Der Eingang zur ESMOD ist da hinten rechts!“. Ja Dankeschön, sagte ich und lächelte. Sie schien nicht bemerkt zu haben, dass der Müllmann gerade das gleiche gesagt hat. Also schlug ich die Richtung nach „da hinten rechts“ ein. Drei Schritte weiter und einen Atemzug mehr, kam ein Mann im schwarzen Hemd, von links dahergelaufen. „Du suchst den Eingang zur ESMOD wa? Der ist gleich hier rechts!“ Habe ich irgendwie „Ich will zur ESMOD Uiversity of Fashion bin aber zu DUMM dafür, bitte hilf mir“ auf dem Rücken, auf der Stirn oder bei Facebook stehen? Vielen lieben Dank für eure Hilfe ihr netten Berlin! Wenn mal so viele zur Hilfe wären, wenn man sie wirklich braucht.

Eine Freundin, die einige wohl kennen werden, da sie ab und an über ihr Berliner Studentenleben auf meinem Blog schreibt (Die geilste Tasche der Welt oder Berlin Kolumne), empfing mich am Eingang, welchen ich nun endlich erreicht hatte. Barb ist ihr Name, eine junge, ambitionierte, humorvolle und sympatische Frau, welche ich eine Freundin nennen darf. Heute hat sie mich eingeladen, sie in ihrer Universität beim studieren, besuchen zu kommen. Und bei der University of Fashion sage ich doch niemals nein. Kaum habe ich den Eingang passiert, bin ich überwältigt. In den Gängen stehen Modepuppen, mit tollen Kreationen an sich, an den Wänden hängen Bilder, mit Kollektionen, Klamotten, Designer und Studenten. Die Berliner Modewelt scheint von den Wänden aus ein Auge auf die Gänge der Schule zu werfen. Ich glaubte den Himmel gefunden zu haben, das Paradies, für mich, den Matthew. Die Klassen sind sehr entspannt. Ich durfte in die Klasse von Barb, vom 1. Semester. Hier wurde ich freundlich empfangen, nicht zu letzt von Francois, dem Lehrer dieser Klasse. Ich stellte mich vor, als Freund von Barb, aus Dresden kommend für vier Fotoshootings. Und der lustig, nette Herr war sofort angetan von mir. Er grinste was das Zeug hielt, während er mir in seinem halbwegs guten Deutsch im englisch-französisch-künstlerischen Akzent, von seinen Ausflügen von Dresden erzählt.

Die anderen Klassenkameraden lassen ihre Blicke über mich schweifen. Immerhin erscheine ich „aufgebitcht“ (kann man das so sagen?) für die Shootings, mit einer Tasche und einem Koffer, am helligten Tage, mitten im Unterricht, im Klassenzimmer. Ich bin ein Außerirdischer vom Planeten „Fashion“ und ich bin auf der Suche nach dem makellosen, perfekten Piece of Fashion, um ihn meiner Fashion Königin vor die Füße zu legen. Ihr Name ist Fashionita Shopaholicanita-Conchita von Fashion Vita. Das oder so ähnliche Worte, gingen mir durch den Kopf, als die Augen auf mich gerichtet waren. Kurzes Zuschauen beim Unterricht und längeres Reden, sowie eine wieder kürzere Pause später, griff sich Barb meinen Koffer und ich machte mich wieder vom Acker. Sie nahm meinen Koffer gleich mit Nach Hause, da ich ja den ganzen Tag noch in Berlin sein werde, dachte ich mir.

Eingang ESMOD University of Fashion Berlin
Eingang ESMOD University of Fashion Berlin
Eines der Bilder an der Wand in der University of Fashion.
Eines der Bilder an der Wand in der University of Fashion.

Und so stieg ich zurück in mein Ufo und Flog mit Jacket Geschwindigkeit davon. Die Rede ist von der U-Bahn. Und anstatt von Erde zu Fashion, ging es ganz geerdet vom Warschauer Tor zum Kurfürsten Damm. Ich wollte mir die Zeit vertreiben bis zum Ersten Shooting. Es war 11 Uhr und mein erster Termin war erst 14 Uhr geplant. Und wo kann man sich besser die Zeit vertreiben, als am Kurfürstendamm, bei Gucci und Chanel an den Schaufenster Scheiben. Um dort einkaufen zu gehen, bin ich leider eine viel zu arme Sau. Aber träumen und Geschmack haben darf man ja wohl noch. Eines Tages, eines Tages lieber Matthew.. .

Es erreichte mich ein Anruf von meinem guten Freund dem Designer Matthias Maus, für dessen Bilder ich 14 Uhr Modell stehen soll. Das Fotoshooting für Bilder anlässlich zur Fashion Week Berlin 2015. Er entschuldigte sich und musste den Termin auf 19 Uhr verlegen, aber er versprach mir mich abzuholen, wo auch immer ich später sein würde. Und so hatte ich Zeit für meine Affäre, welche Gucci und Chanel, Bulgari und Prada heißen. Ich rammte mir mein Headset ins Ohr, steckte es an meine Handy an dem Musik lief und marschierte ganze 2 Stunden den Kurfürstendamm auf und ab. Ich wurde kurz erschreckt, als mir ein Freund, welcher bei Wunderkind arbeitet, hinterher gerannt kam. Ich hatte ihn bei sich im Laden nicht gesehen, weshalb ich weiter gelaufen bin. Zum Glück kam er mir hinterher. Wir hatten eine kurze Weile, ein sehr nettes Gespräch im Laden, bis ich weiter zog. Auf und Ab, am Kurfürstendamm.

Meinen Ersten Termin hatte ich 18 Uhr in Wedding, bei Stefan Thiel. Ich freute mich sehr ihn kennen zu lernen und ich freute mich auf die Arbeit, die bevor stand. Ich traf etwas eher ein um ja pünktlich zu sein und so hatte ich die Chance, seinen Atelier Assistenten kennen zu lernen. Wir saßen im Atelier, warteten auf den großen Meister, während wir rauchten, quatschten und er mich herumführte. Kurze Zeit später betrat Stefan das Atelier. Er lächelte und schien glücklich und ambitioniert zu sein. Wir kamen ebenfalls sofort super ins Gespräch. Und es dauerte nicht lange, bis wir am Set standen und die ersten Aufnahmen besprachen. Stefan Thiel arbeitet viel mit Kontrasten, Licht und Schatten und ist bekannt für seine Scherenschnitte, an denen ich mich nun beteiligte. Er stellte bereits in Sydney aus, was mich sehr hellhörig machte.

Wir experimentierten mit der Kamera und haben ein paar tolle Motive eingefangen. Es dauerte nicht lange bis wir ein gutes Bild im Kasten hatten. Seine Kunst besteht nun darin, aus dem Bild eine Projektion auf einem schwarzen Papier abzuzeichnen und letztendlich mit einem Messer auszuschneiden. Da 19 Uhr der verschobene anstand und Matthias Maus pünktlich vor der Tür stand, musste ich leider schon weiter. Wir verabschiedeten uns und er drückte mir noch schnell ein Buch von sich in die Hand. Wir versprachen in Kontakt zu bleiben und uns spätestens in Zürich 2015 zu sehen, wo unsere Ergebnisse, zusammen mit den anderen Arbeiten von ihm, ausgestellt werden.

Stefan Thiel, das Buch, welches er mir geschenkt hatte. "Cuts"
Stefan Thiel, das Buch, welches er mir geschenkt hatte. „Cuts“

Und so fuhr ich mit Matthias Maus durch Berlin zum nächsten Termin, während wir uns angeregt unterhielten, ich mein Facebook checkte und neugierig im Buch von Stefan blätterte. Ich freute mich Matthias zu sehen, da unser letztes Treffen schon recht lange her war. Wir fuhren zu Mirko Nagel, dem Fotografen des Shootings. Und es stand ein ganz besonderes Shooting an. Den zum Ersten mal arbeitete ich mit Akt vor der Kamera. Genauer gesagt handelt es von Teil Akt, bei der nichts weiter zu sehen ist, außer Haut. Intime Bereiche werden hierbei nicht gezeigt. Die Fotos sind für die Show von Matthias Maus, zur Fashion Week Berlin 2015. Sie werden direkt in der Show ihre Bedeutung finden und Teil der Show sein. Der erste Moment des „sich ausziehen“ war ein wenig befremdlich und fühlte sich anfänglich an wie in der Jungen Sport Umkleide, wurde aber spätestens, als man im Set stand, vergessen. Wir probierten mehrere Posen und arbeiteten schnell hintereinander. Es machte Spaß und ich fühlte mich frei. Keine Fashion, die nervte. Fashion die man trägt, wie bei jedem anderen Shooting. Nichts neues. Doch hier trugen wir nur unsere Haut. Ich öffnete mich und fühlte, als würde ich für mich eine neue Tür der Kunst öffnen. Hier nochmal ein großes Lob an Matthias Maus und Mirko Nagel, für die tadellose Professionalität! Danke!

Ich wurde gefragt, ob ich bei der Show mitlaufen möchte. Da muss ich passen. Ich weiß es noch nicht genau. Bei der Show anwesend werde ich gemeinsam mit meinem Mann auf jeden Fall sein! Und so werde ich Teil der Show. Ob ich mitlaufe oder nicht, denn die Bilder werden sich an den Models wieder finden, auf Plakaten oder direkt in der Mode selbst. Ich bin gespannt und freue mich riesig. Die Bilder Ergebnisse werden unter Verschluss gehalten und sind nur für den Abend, für die Anwesenden zu betrachten. Mein Outfit für die Aftershow Party habe ich auch bereits schon, ich kann sagen: Es wird einzigartig, erstmals getragen von einem Mann.

Nachdem ich den ganzen Tag in Berlin, den Abend und die halbe Nacht unterwegs war, wollte ich einfach nur noch zu meiner Freundin Barb in die Wohnung, den Abend mit ihr und Mc Donald’s verbringen. Und so fuhr mich Matthias Maus glücklicherweise direkt vor die Haustür, denn auf U-Bahn fahren hatte ich absolut keine Lust mehr, so spät Abends (#firstworldproblems). Die Wahrheit ist, dass ich eigentlich sehr robust und einfach gestrickt bin und Luxus und Bequemlichkeit mich wenig beeindrucken, aber an dem Tag war ich über die warme Heimfahrt sehr, sehr froh!

#Modelfood
#Modelfood
Barb und Matthew am Brandenburger Tor.
Barb und Matthew am Brandenburger Tor.

Angekommen bei Barb, schnappte ich sie mir und entführte sich zu Mc Donald’s, bei dem ich mir einen Bürger und sie sich einen Kaffee gönnte. Warum einen Kaffee um 22 Uhr? Naja, wir wollten nicht gleich ins Bett. Wir wollten den Abend genießen, noch ein bisschen spazieren gehen, künstlerisch aktiv sein und sie musste noch was für die Uni vorbereiten. So watschelten wir wie zwei kleine, aber hübsche Leichen von ihrer Wohnung, zum Brandenburger Tor. Sie war geschafft vom Tag in der Uni und ich war geschafft von meiner Anreise, dem damit verbundenen frühen Aufstehen, dem Tag in Berlin und den Shootings am Abend. So liefen wir glücklich Hand in Hand, ich hielt meinen Burger und sie ihren Kaffee in der Hand, in Richtung Nacht. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann laufen sie noch heute.

Kurz vor Mitternacht kamen wir zurück, nach einem großen, langem Spaziergang. Ich krachte mich unter die Dusche und Barb haute sich vor ihren Laptop. Noch lange saßen wir zusammen, haben gequatscht, chinesisch gelernt (!), Modezeichnungen angefertigt und versucht ihr Projekt für die Uni voran zu bringen. Ich machte Selfies mit meinem Fuß und freute mich darüber, wir hörten Musik und waren glücklich, glücklich über den Tag. Ich machte eine kluge/dumme Aussage, über die wir eine weile versuchten zu philosophieren: „Es gibt nichts besseres als nicht in einem Film mitzuspielen, nicht einmal Nebendarsteller zu sein.“ Bis heute bin ich mir nicht ganz sicher ob die Aussage überhaupt einen Sinn ergibt. Ich bin auf sie gekommen, durch meine Erfahrungen beim Film. Denn alles was ich bereits ergatterte, waren Komparsen- oder Nebendarsteller Rollen. Und ich war glücklich über die Erfahrung, welche ich dort sammeln konnte, dennoch nicht über die Kunst, die von mir verlang wurde (RTL Promi-Undercover, Das Mädchen mit der Violine, Rotes Kreuz Dokumentation, Comedy Export).

Und so schlief ich ein, auf dem Kissen, welcher aussah wie meine Haare selber. Ich dachte an die Kunst und träumte von ihr, von einem Leben, indem ich sowas wie heute jeden Tag machen und mein Leben damit finanzieren könnte. Eines Tages, eines Tages lieber Matthew.

Text: Mister Matthew

Folge:
Mister Matthew
Mister Matthew

Mister Matthew ist der Autor hinter dem Fashion Blog für Männer ,,Mister Matthew”. Seit 2014 berichtet er täglich über seine Outfits und Reisen, Events und Fashion Weeks, über aktuelle Trends und No-Gos, seinen Alltag und seine Erlebnisse. Mister Matthew liebt die guten und schönen Seiten des Lebens und ist ein positiver Mensch durch und durch. Sein Blog steht dabei für hochwertigen und einmaligen Inhalt.

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