Eine Prinzessin namens Flüchtlienchen

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Es war einmal eine Prinzessin namens Flüchtlienchen…
Die aktuelle Flüchtlings Situation erklärt durch einen Shopping-Rausch. Man kauft mehr als man transportieren kann. Man hat kein Geld, kein Platz.

Alles fing mit Pegida an. Vor ein paar Monaten habe ich bereits über Pegida Fashion berichtet. Wie sieht der gängige Pegida Anhänger aus? Jetzt erlebt das Thema Pegida und Flüchtlinge neuen Aufschwung, seitdem letzte Woche in Dresden ein Zeltlager für 1100 Flüchtlinge errichtet wurde.

Versunken in Terminen und Projekten bekomme ich nur peripher etwas über die derzeitige Situation der Flüchtlinge in Dresden mit. Doch seit ein paar Tagen blieb mir eine Konfrontation mit dem Thema nicht erspart.
Ich gehe zu Facebook und sehe einen Morgenpost Artikel über das Zeltlager.
Ich treffe mich mit Freunden und werde gefragt was ich dazu sage.
Ich sitze am Frühstückstisch, während aus dem Radio das Wort “Flüchtlingslager” ertönt.

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Flickr Creative Commons Lizenz by Thor

Ok. Irgendwie reicht es dann auch. Ich fühle mich nun gezwungen über das Thema nachzudenken. Da ich mich aber eher kaum für Politik interessiere, versuche ich das Thema aus der Sicht eines Themas zu betrachten, welches mich interessiert. Mode.
Ich gehe shoppen, bin heiter und fröhlich, kaufe dies und das, meine Taschen füllen sich. Mein Kontostand wird immer weniger, noch weniger, noch weniger. Mittlerweile stecke ich schon im Minus. Dennoch kaufe ich unerschöpflich, als hätte ich genug Geld dafür. “Die armen Kleidungsstücke können doch nicht hier hängen bleiben. Ich muss ihnen Asyl gewähren, eh sie hier auf der Kleiderstange verrecken.” Ein guter Mensch muss ich sein, wenn ich die Kleidungsstücke rette und trotzt nicht vorhandener finanzieller Mittel kaufe.

Feuchtfröhlich, euphorisch, einfach optimistisch laufe ich mit meinen Taschen, die ich kaum tragen kann, nach Hause. Auf dem Heimweg fallen die Stücke aus der Tasche, wie die Flüchtlinge aus den Booten. Zwischen Rolltreppe und Bushaltestelle ist die See rau. Jeans über Bord! Hilfe! Sie sterben noch auf offener See.
In der für die Kleidung neuen Heimat angekommen, muss ich als Gastgeber feststellen, dass ich gar keinen Platz für die vielen neuen “Kleidungsflüchtlinge” habe. Was hätte ich denn tun sollen? Sie einfach hilflos im Laden zurücklassen?
Ich denke nach, während meine einheimischen Kleidungsstücke skeptisch aus dem Kleiderschrank, auf die Tüten mit den Fremden Klamotten starren.
Einen obligatorischen Kleiderschrank errichten, das ist die Lösung! Auch wenn ich weitere, zusätzliche Kosten habe und der hässliche Kleiderschrank aus Plastik gar nicht in meine eigentliche Einrichtung passt. “Brr..” Ich höre es schimpfen aus meinem Kleiderschrank. Was kann das bloß sein? Regen sich da etwa gerade meine Klamotten über die Neuankömmlinge auf?

Was ist denn nun richtig? Die hilflosen, verzweifelten Kleidungsstücke im Laden hängen zu lassen oder sie trotzt nicht vorhandener Mittel und kaum Platz doch Zuhause in der Heimat aufzunehmen?

Das Problem nicht politisch sondern modisch betrachtet macht für mich, als Politik desinteressierter Mode-Blogger, auf einmal Sinn. Die alten Kleidungsstücke haben angst, dass ihnen die neuen vielleicht zur Gefahr werden könnten. In etwa, wenn sie ihnen die Chance des getragen werden wegnehmen. Dann wären nämlich die alten Kleidungsstücke arbeitslos.

Gesehen aus dieser Sicht, scheint mir das Thema auf einmal ziemlich einleuchtend und interessant. Jetzt brauche ich auch nicht mehr weghören, wegsehen, sondern mitfühlen! Was ist denn nun richtig? Verdammt ich weiß es nicht.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann flüchten sie noch heute.

Ich möchte betonen, dass dieser Artikel keine Propaganda ist/sein soll. Die aktuelle Flüchtlings Situation ist keine leichte Sache. Gerne würde ich mit diesem Artikel meine vielen jungen Leser dazu bewegen über das Thema intensiver nachzudenken.
Ich muss auch gestehen: Ich fühle mich nicht fähig ein Urteil darüber zu fällen, ob das Aufnehmen von Flüchtlingen gut oder schlecht ist. Nur kann ich sagen: Ihr könnt nicht mehr shoppen, als ihr Geld habt.

Zur Erklärung

Bevor es zu Missverständnisse kommt, möchte ich einige Äußerungen genauer erklären bzw. den Bezug zur Politik herstellen.

Die armen Kleidungsstücke können doch nicht hier hängen bleiben. Ich muss ihnen Asyl gewähren, eh sie hier auf der Kleiderstange verrecken.
Kriegsflüchtlinge können aufgrund von Verfolgung und Ermordung in ihrem Heimatland nicht bleiben.

Auf dem Heimweg fallen die Stücke aus der Tasche wie die Flüchtlinge aus den Booten.
Bei Überfahrten durch das Mittelmeer sind viele Boote gekentert. Flüchtlinge haben dadurch ihr Leben verloren.

In der für die Kleidung neuen Heimat angekommen, muss ich als Gastgeber feststellen, dass ich gar keinen Platz für die vielen neuen “Kleidungsflüchtlinge” habe.
Im Zielland angekommen, müssen sich die zuständigen Behörden dem Platzproblem stellen.

Einen obligatorischen Kleiderschrank errichten, das ist die Lösung! Auch wenn ich weitere, zusätzliche Kosten habe und der hässliche Kleiderschrank aus Plastik gar nicht in meine eigentliche Einrichtung passt.
In Dresden wurde ein Zeltlager errichtet. Das bedeutet: zusätzliche Kosten. Stimmen wurden laut, dass die Zelte nicht in die Umgebung passen. Wären Turnhallen, Hotels die bessere Lösung?

“Brr..” Ich höre es schimpfen aus meinem Kleiderschrank. Was kann das bloß sein? Regen sich da etwa gerade meine Klamotten über die Neuankömmlinge auf?
Einige Dresdner haben sich im schlimmsten Ton negativ über die Flüchtlinge geäußert. Vor Ort und im Internet.

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Mister Matthew
Mister Matthew

Mister Matthew ist der Autor hinter dem gleichnamigen Modeblog für Männer: »Mister Matthew«. Seit 2014 berichtet er über die Themen Mode, Kosmetik, Lifestyle und Interior. Einzigartig in der deutschsprachigen, männlichen Bloggerszene, transportiert er auf seinem Blog individuelle als auch hochwertige Inhalte, auf künstlerische sowie ästhetische Art und Weise. Immer mit einem gewissen Twist, möchte er seine Leser*innen zu den schönen Seiten des Lebens einladen. Wenn Luxus auf Haltung trifft, begegnet man Mister Matthew. Herzlich Willkommen.

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2 Kommentare

  1. 29. Juli 2015 / 10:23

    Hi Mister Matthew,
    …aus ganz, ganz aktuellem Anlass und ….weil Du meine Heimatstadt Dresden in Deinem Blogbeitrag ganz explizit erwähnst und …weil die Emotionen und Eindrücke in meinem Kopf noch immer Achterbahn fahren….hier der Versuch meine Sichtweise, die natürlich keinerlei Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit erhebt, in Worte zu fassen:

    ….die Emotionen und Eindrücke von denen ich schrieb, erlebte ich gestern im Rahmen meiner ganz kleinen privaten “Hilfsaktion” im Umfeld des Zeltlagers in Dresden, mit der ich einmal den vielen Helfern der Organisation “Dresden für Alle” vor Ort “Danke” sagen wollte, für ihren unermüdlichen Einsatz (teilweise sind die Leute neben ihrer sonstigen “Beschäftigung” 18-20 Stunden auf den Beinen) im Geschehen um die Organisation des Zeltlagerlebens….achso, ja ich vergaß zu erwähnen…ich bin selbständiger Masseur und habe gestern meine mobile Massageliege in den Räumen dieser Organisation aufgebaut und versucht mit intensiven Rückenmassagen den Leuten ein klein wenig Entspannung zukommen zu lassen (entsprechende Informationen findet man u.a. auch auf meinem FB-Account – topmassgen-tilo weidig)

    …lass es mich kurz so sagen: …man kann sich kein realistisches Bild von den Zuständen vor Ort machen, wenn man nicht schon einmal selbst vor Ort gewesen ist. Die Zustände sind katastrophal und man kann nur hoffen, selbst niemals in eine derartige Situation zu kommen derartige Hilfe annehmen zu müssen. …sicher könnte man nun sagen: …”hätten doch zu Hause bleiben können!”…man mag es kaum glauben, aber auch diese Zustände in so einem Lager werden wohl in den Heimatländern der Flüchtlinge noch weit übertroffen….kein Mensch macht sich ohne wirkliche Not, auf den Weg seine Heimat ohne Hab und Gut zu verlassen….und selbst wenn es “nur” Wirtschaftsflüchtlinge sind…seien wir doch mal ehrlich: würde nicht Jeder auch von uns versuchen, wenn es irgendeine Möglichkeit gibt sein Leben zu verbessern, diese Chance – auf Teufel komm raus- wahrzunehmen?…ich bin “Ossi”…und ich weiß wovon ich rede – 89 waren wir die “Asylsuchenden”, wollten, dass es uns besser geht – auf Teufel komm raus! (und wir hatten im Vergleich zu diesen Flüchtlingen aus Übersee, den Himmel auf Erden!)…sicher “hätte” man – aus heutiger Sicht – vieles besser machen können und sollen…aber hey!…”hätte, hätte Fahradkette”… die Flüchtlinge sind da und brauchen unsere Hilfe!
    Natürlich hat die Politik riesengroße Fehler gemacht und macht sie leider immer noch (täglich) – die Diskussion darüber würde Bände füllen….aber jeder für sich selbst sollte sich wirklich einmal die Frage stellen, auf welch hohem Niveau wir Deutschen eigentlich klagen und maulen. Jeder kann sich auf seine ganz persönliche Art und Weise einbringen, helfen, etwas abgeben von dem was man – meist im Überfluss . hat……- wenn man bereit ist etwas Menschlichkeit und Solidarität (klingt schwulstig – ich weiß!) zu zeigen.
    Was können die Flüchtlinge für die verfehlte Asylpolitik unseres Staates, zu der z.B. auch gehören würde, jedem nicht anspruchsberechtigtem Antragsteller eine diesbezüglich klare und kurzfristige Attestierung zukommen zu lassen….?

    …sorry…ich triffte gerade viel zu weit ab und keiner will das wirklich lesen bzw. hören….

    …will eigentlich nur sagen: es geht zur Zeit nicht darum zu fragen, “will ich die Kleidungsflüchtlinge in meinem Schrank”, sondern darum, wie bekomme ich eine neue Ordnung in mein Schranksystem. Und wenn ich dieses geschaffen habe, werde ich mich in jedem Fall auch für vielleicht etwas “exotischere” Outfits begeistern können.

    Mit lieben Grüße aus dem wunderschönen Dresden
    der Tilo

    • 31. Juli 2015 / 11:17

      Lieber Tilo,

      vielen lieben Dank für deinen ausführlichen, sehr interessanten Kommentar.

      Ich werde wahrscheinlich demnächst wirklich mal vor Ort sein und mir ein Bild von der Lage im Lager machen. Recherche Arbeit für eine neue Zeitung bei der ich in der Redaktion sitze. Ich bin schon mehr als gespannt und habe auch sehr großen Respekt davor! Ein großes Lob an die vielen Helfer! Auch ein großes Lob an dich, für deine angebotenen Massage Stunden! Wenn du möchtest nimm mich das nächste mal einfach mit, dann kann ich gerne darüber berichten und mir alles mal Live im Lager anschauen.

      Deiner Aussage: “es geht zur Zeit nicht darum zu fragen, „will ich die Kleidungsflüchtlinge in meinem Schrank“, sondern darum, wie bekomme ich eine neue Ordnung in mein Schranksystem. Und wenn ich dieses geschaffen habe, werde ich mich in jedem Fall auch für vielleicht etwas „exotischere“ Outfits begeistern können.” stimme ich vollkommen zu! Sehr gut gesagt!

      Liebe Grüße, Matthew

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