Magersucht – M, S, XS, XXS

Magersucht ist ein Thema was im Mode Universum wahrscheinlich genauso täglich eine Rolle spielt, wie die Nadel und der Faden. Ist es hübsch oder hässlich? Da scheiden sich die Geister. Models magern ab und die Designer sehen sich satt, an dem überaus ungesunden Aussehen ihrer Models. Untrainiert, ein bisschen zu viel Fett, zu viele Muskeln? Dann hat man keine Chance Model zu werden heißt es. Und leider ist das Wahr. Ein Beitrag über meine Gedanken, Ängste und Wünsche.

Magersucht M, S, XS, XXS Hübsch oder Hässlich? Essstörungen Magersucht Bulimie

Magersucht Wahn

Es ist der 19.01.2015. Es ist Fashion Week in Berlin. Ich stehe da und staune. Dünn, dünner, am dünnsten, so weit das Auge reicht. Und ich frage mich: warum? “Hier ist Fashion Week!”Aha. Grund gefunden.

Sicherlich kennt ihr es, das ewige Gelaber über Essstörungen, Diäten, Magersucht, Bulimie und könnt es weder hören noch lesen. Das geht mir genauso! Doch ist es ein Thema mit dem ich regelmäßig konfrontiert werde und mich irgendwie gezwungen fühle auseinander zu setzten.

Designer und Agenturen verlangen nicht nur durchtrainierte, sie verlangen mittlerweile dürre Körper. Alles auf Wunsch der Designer natürlich. Doch das ist ein Trend, den es noch nicht immer gibt. Gerade so um 2000 herum galten überdünne Wesen als unästhetisch, ungesund und einfach nur hässlich. Heute ist es Grundlage für die Maße der Designer. Mit der Zeit forderte man immer dünnere, leichtere Models, welche ihr Gewicht nur durch hungern erreichen oder halten können. Und hier hört für mich der Spaß am Model da sein auf.

Ich erwische mich selber dabei, dass ich dünne Frauen attraktiver finde als dicke. Bei Männern finde ich es furchtbar wenn sie zu dünn sind. Doch was lässt mich dünne Frauen hübsch finden, aber Magersucht verurteilen? Ist das nicht ein bisschen Doppelmoral? Macht das Sinn? Denken nicht so auch die Designer? “Ja wir finden Magersucht und Bulimie genauso blöd wie alle anderen. Aber unsere Kollektionen verkaufen sich einfach besser, wenn wir sie durch lebende, ein Hauch von Nichts tragende Kleiderstangen präsentieren lassen.”

Ich finde einfach nicht gut was Frauen und aber auch Männer ihren Körpern da antun. Es ist nicht nur so, dass es auf lange Sicht gesehen ungesund für den Körper an sich ist, es ist auch auf kurze Zeit keine Trophäe für den Körper, welcher sich auf einen nicht geplanten Hunger-Horror Trip mit schlimmen Nebenwirkungen auf die Barrikaden setzt. So beginnt schon nach kurzer Zeit unser Stoffwechsel einzuschlafen. Er verliert die Funktion, die Tätigkeit, den Sinn und ist ganz unfreiwillig fehlprogrammiert, nur weil das hübsche Gehirn unter dem noch hübscheren Gesicht denkt, es müsse hungern.

Und so kommt es, dass hungernde Mägen, hungernde Stoffwechsel ein Problem bekommen zukünftige Nahrung zu verarbeiten. Ja super! Nicht mehr gut verdauen können, aber Hauptsache in das viel zu eng genähte Kleid passen. Da gratulieren wir, während die Leute ihre Fotos machen, die Designer ihr Geld bekommen und dein Magen den Abgang macht. Das Spiel mit der Gesundheit ist kein leichtes Spiel. Aber wenn ich so darüber nachdenke: leben Bauarbeiter denn eigentlich gesünder? Oder Kumpel in einem Bergwerk? Haben es Leute die ihr Leben lang am Schreibtisch verkümmern leichter? Auch ihre Berufe bringen Beeinträchtigungen mit sich. Also warum wird sich da über die Magersucht so aufgeregt? Ein Bauarbeiter muss schwer heben, arbeitet bei Wind und Wetter, geht eher in Rente und bekommt viele Probleme mit Gelenken und Muskeln. Also was ist jetzt der schönere “Tod”? Alt und behäbig werden beim Bauen einer neuen Fabrikhalle, schmutzig und dreckig, undankbar und schlecht bezahlt oder in einem Designer Fummel steckend, bejubelt, gut aussehend, besser bezahlt auf einem Runway? Gedanken die mich einfach nicht los lassen.

Ist Magersucht vielleicht eine Berufskrankheit die Models mitbringen müssen? Während die Berufskrankheiten bei z.B. Bauarbeitern über die Jahre im Beruf erst kommen. Fragen über Fragen. Gedanken über Gedanken. Was meint ihr?

“Haben sie Milch zum Kaffee?”

“Ich habe Fettarme.”

“Das sieht auch wirklich nicht schön aus. Aber könnten sie mir trotzdem die Milch bringen?”

Brauchst du Hilfe? Bist du Magersüchtig und möchtest das ändern? Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hilft dir gerne hier auf BZga.

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Mister Matthew
Mister Matthew

Mister Matthew ist der Autor hinter dem gleichnamigen Modeblog für Männer: »Mister Matthew«. Seit 2014 berichtet er über die Themen Mode, Kosmetik, Lifestyle und Interior. Einzigartig in der deutschsprachigen, männlichen Bloggerszene, transportiert er auf seinem Blog individuelle als auch hochwertige Inhalte, auf künstlerische sowie ästhetische Art und Weise. Immer mit einem gewissen Twist, möchte er seine Leser*innen zu den schönen Seiten des Lebens einladen. Wenn Luxus auf Haltung trifft, begegnet man Mister Matthew. Herzlich Willkommen.

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