Vogue Talk Sept.

Vogue Talk Sept.

In meiner neuen Spalte VogueTalk möchte ich mich monatlich zur neuen Ausgabe der deutschen Vogue äußern, Kritik und Lob aussprechen, sowie Kleidungsstücke zeigen die ich toll, aber auch schlecht finde. Ich muss sagen: Ich liebe Vogue. Sehr Sehr Sehr.

Mister Matthew
Mister Matthew

Im April 2012 äußerte Karl Lagerfeld bei einer Talkshow von Markus Lanz: “Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.” Damit sorgte Herr Lagerfeld für großes Aufsehen, nicht zuletzt, weil es mehr als normal ist eine Jogginghose zu tragen. Und jetzt sitze ich hier und trage eine Jogginghose. Bin ich jetzt ein Penner? Bin ich jetzt unbrauchbar? Ich habe auf jeden Fall nicht die Kontrolle über mein Leben verloren, denn dafür gibt es auch gar keinen Grund, erst recht nicht wegen einer Jogginghose. Zu meiner grauen Jogginghose trage ich Schuhe aus Fell, im Zebra Look. Mein Look und ich sind entspannt.

Auf meinem Schoß liegt die neue Ausgabe der deutschen September Vogue, auch bekannt als “September Issue”. Der September, ein bedeutender Monat in der Mode, läutet den Herbstanfang ein und ist in der Mode der Monat, der für den Kalender Januar ist. Der Neuanfang. Im Herbst erfährt die Modewelt einen Aufschwung, weil es nun wieder interessanter wird, sich in der Zwiebel Schicht Methode zu kleiden. Hier kann gespielt und probiert werden was das Zeug hält. Hier ist die Kundschaft der Mode experimentier freudiger und vor allem kaufkräftiger als im Sommer. Ist ganz verständlich. Im Sommer tragen wir überwiegend T-Shirt und kurze Hosen und Hotpants. Hier brauchen wir in der Regel keine Hemden oder Mäntel, Pullover oder Ponchos.

Das Cover lud mich mit seinem Titelbild und seiner Titelüberschrift nicht wirklich zum lesen ein. Das Cover schmückt ein Model, mit nass/fettigen Haaren, dezent geschminkt, weiß gekleidet, fast schon puristisch. Als ich das Cover zum ersten mal sah war ich für die ach so wichtige September Ausgabe enttäuscht. Bis mich mein Mann auf eine kleine Teilüberschrift hinwies. “NEUE WEGE ZUM ICH”, steht rechts neben ihrem Gesicht, was eventuell erklären könnte, dass die Frau sehr reduziert gestylt ist, neutral, rein, unverbraucht und unfertig wirkt. Hier soll wahrscheinlich dargestellt werden, dass man mehr aus sich machen kann, bzw. etwas anderes aus sich machen solle. Ein Neuanfang. September aka Januar eben.

Darunter klafft eine Überschrift: “SHOPPING LUST”. Das ist ja ganz was neues, gerade für Frauen. Was ist Shooping Lust? Eine Krankheit, etwas zu Essen, eine Location? Dass unzählige Menschen nahezu dauerhafte Shopping Lust empfinden ist nichts neues, weshalb ich diese Titelschrift als etwas nicht kreativ halte. Ganz anders sehe ich das bei dem beiliegendem Special Heft. Ein 50 seitiges Heft,  in dem es unter anderem um Shopping und die Vogue Fashion Night geht. Hier ziert das Cover ein Einkaufskorb, welcher mit einer Ladung Chips Tüten bepackt ist. Ein interessantes, klares Statement an die Mager Mode Welt, dennoch sucht man nach wohl proportionierten Frauen in der Vogue vergeblich.

Die Looks dieser Ausgabe kommen mir größtenteils recht bekannt vor. Anfangs wunderte ich mich, bis ich feststellen musste, dass viele der Fotos bereits in der August Ausgabe der Vogue Paris verwendet wurden. Was mich ein wenig frustriert. Warum nutzt man Fotos von der August Ausgabe auch im September? Ist der September nicht der Neuanfang, die Revolution jedes Jahr in der Mode? Es ist zwar ein anderes Land in dem es veröffentlicht wird, doch kaufe ich mir auch Vogue Ausgaben im Ausland, da möchte ich nicht das gleiche sehen wie in meinem Land. Die Cover unterscheiden sich, die Themen und die Texte. Warum nicht auch die Bilder? Ich kam nicht umhin mich zu fragen: Ist das noch Vogue?

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Mister Matthew & Vogue
Mister Matthew & Vogue

Am besten haben mir in dieser Ausgabe die Werbung von Ralph Lauren (Seite 1) und Bottega Veneta (Bei den Anzeigenseiten am Anfang). Bei Ralph Lauren gefiel mir auf Anhieb, dass sich die Seite aufklappen lies. Die Kollektion ist im kompletten Weiß gehalten, ein etwas Eierschalen farbig. Hier überraschte mich positiv das Design der sogenannten übergroßen Ricky Handtasche. Bottega Veneta überzeugte mich mit der Frisur, welche schwarz, Bob artig, kantig geschnitten ist, die Farbgebung von Gelb, Rot und Lila, sowie die Schlichtheit der Designs. Es lies mich ein bisschen, aus unerklärlichen Gründen, an Chinesische Frauen erinnern. Klar, es hat einen Hauch davon, aber wie gesagt nur einen Hauch. Unter den Anzeigenseiten am Anfang, musste ich bei Burberry kurz stutzen, als ich dachte, dass hier ein Copy Paste Tool zum Einsatz kam. Auf der linken Seite das gleiche wie auf der rechten Seite. Bis mein Genie Gehirn bemerkte, dass es nicht an dem war. Die Bilder unterscheiden sich aber nur so minimal, dass man denkt dass auf beiden das gleiche ist, was bei einem oberflächlichen Durchblättern schnell mal passieren kann. Immer noch unter ersten Seite der Ausgabe, gefiel mir der Lack/Leder artige Mantel von Tod’s, welcher mit drei großen, goldenen Schnallen verschlossen wird, aus dem ein weißes Fell am Kragen sprießt. Dadurch wird jedoch das rechte Outfit ganz schön in den Schatten gestellt! Die Outfits von Salvatore Ferragamo und Versace waren bereits in der Paris Vogue zu sehen. Die kenne ich bereits, sehr schade! Die zwei exklusiven Entwürfe von Etro (Seite 62) sprechen wohl für sich. Mir gefallen die Spiele mit den Mustern, sehr römisch, italienisch, orientalisch. Den Überwurf des rechten Models, sticht in mein Auge wie eine kanadische Wolldecke, sieht aber keinesfalls schlecht aus. Die Leder Nieten Jacke von Philipp Plein ist ebenso bereits gedruckt wurden. Das ist wirklich besonders schade, denn es fühlt sich so an, als wenn man ein Gericht isst, aber alles was man jemals gegessen hat nicht mehr schmeckt. Das Design von Chanel finde ich ganz unterirdisch schlimm! Als wäre Chanel nicht Chanel, mit diesem jugendlichen, sportlichen Look. Es wirkt als wöllte Chanel neue, junge Kunden akquirieren, das aber mit einer unüberlegten, des alten Image in den Schatten stellenden Kampagne. Welches Kleidungsstück mich besonders geflasht hat, ist der knielange Mantel aus Alpaka und Schurwolle, von Marc Cain. Die Farbe: zarte Braun Töne, von Nougat bis Karamell. Der Stoff spricht für sich. Und mit 800€ nicht überteuert, bedenkt man dass es Alpaka Fell ist. Welche Fotostrecke, mit all seinen Outfits, mir auch gefällt, ist die “Made in Heaven. Federn, Farben, Formen.” (ab Seite 344) Hier mal einen Blick auf das Magentafarbene Federn Kleid achten, sowie auf den Kobaltblauen Mantel. Wenn ihr mich fragt, wird Kobaltblau die Farbe der nächsten Saison. Aber fragt nicht mich, ich hatte das letzte mal mit meiner Vorhersage bestimmt nur Glück. Das Gelb im Frühling IN wird, das hatte ich im Urin.

Das Neue an der Ausgabe ist die “Vogue Bewegt” Funktion. Auf Seite 47 wird hier ausführlich erklärt was das ist. Hierbei handelt es sich um eine Funktion, mit der man in Nutzen der APP Blippar die Seiten der Vogue abfotografieren kann und so besondere Inhalte, wie Videos, Bilder, Making Of’ Material und Interviews bestaunen kann. Ist, wie ich finde, ein sehr großer Schritt für die Print Medien, erst recht in der Zeit des Internets, in der sich alle neuen Trends, alle Fotos, alle Texte problemlos abrufen lassen.

Alles in allem finde ich, dass sich die September Ausgabe durchaus zeigen lassen kann. Kenner der Bilder finden es wahrscheinlich nicht besonders toll, wenn sie gleiche Bilder in unterschiedlichen Vogue’s, von zwei unterschiedlich Monaten, sehen! Für alle Smartphone Süchtigen bietet die neue Funktion, des extra Videos, Texte und Bilder glotzen, eine gelungene Abwechslung die moderne Technik mit den Printmedien zu verbinden. Das revolutionäre Denken, Ja…DAS ist Vogue!

Text: Mister Matthew Foto: Mister Matthew www.Vogue.de

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Mister Matthew ist der Autor hinter dem gleichnamigen Modeblog für Männer: »Mister Matthew«. Seit 2014 berichtet er über die Themen Mode, Kosmetik, Lifestyle und Interior. Einzigartig in der deutschsprachigen, männlichen Bloggerszene, transportiert er auf seinem Blog individuelle als auch hochwertige Inhalte, auf künstlerische sowie ästhetische Art und Weise. Immer mit einem gewissen Twist, möchte er seine Leser*innen zu den schönen Seiten des Lebens einladen. Wenn Luxus auf Haltung trifft, begegnet man Mister Matthew. Herzlich Willkommen.

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