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Weihnachtsessen für Obdachlose und Bedüftige in Dresden

Weihnachtsessen für Obdachlose und Bedüftige in Dresden

Weihnachtsessen für Obdachlose und Bedürftige in Dresden

Ich bin als Helfer beim Weihnachtsessen für Obdachlose und Bedürftige in Dresden. Vor mir sitzt eine Frau, sie kann maximal Mitte 30 sein, doch sie schaut viel älter aus, denn ihr Gesicht ist gezeichnet von Kummer. Die Augen sind müde, die Wangen sehr eingefallen, strubbeliges Haar und abgetragene Kleidung. ,,Vielen Dank!“, sagt sie leise zur mir, als ich ihr einen Teller mit Gans, Klößen und Rotkraut serviere. Ihre Schulter, an der ich sie kurz berühre, ist abgemagert und kalt, wie auch ihr Blick. Doch als ich ihr den reichlich gefüllten Teller überreiche, wird nicht nur mein Herz, sondern vor allem auch ihre Augen ganz warm. Sie bedankt sich ganze vier Mal bei mir, bevor sie strahlend zu Gabel und Messer greift.

Ich habe noch nie einen Menschen gesehen, der sich so sehr über Essen gefreut hat. Ich habe noch nie ein ehrlicheres Danke aus dem Mund eines Menschen gehört. Mir läuft es eiskalt den Rücken hinunter, hier, beim Weihnachtsessen für Obdachlose und Bedürftige in Dresden. Ich fühle mich schlecht. Sehr schlecht sogar. Warum? Weil ich zum ersten Mal helfe. Warum konnte ich das die letzten 22 Jahre nicht schon einmal tun? Auch wenn ich 2015 mit meiner Aktion Fashion für Flüchtlinge bereits anderen Menschen half, fühle ich mich schäbig, da es zwar Helfen war, sich aber nicht wie Hilfe anfühlte.

2015, als ich die Kleiderspenden von Dresdnern einsammelte und zu Flüchtlingsheimen und dem DRK fuhr, kam ich nicht direkt mit den Hilfebedürftigen in Kontakt, sondern eigentlich nur mit dem DRK und den Helfern in den Heimen. Hier aber, beim Weihnachtsessen für Obdachlose und Bedürftige in Dresden, trete ich mit den anderen Menschen Auge in Auge in Kontakt – und fühle mich schlecht dabei. Ich könnte mich schämen, für so viele Dinge. London hier, Madeira da, neuer Mantel, neues iPhone. Auch wenn mein eigener Konsum nichts mit der Armut der hier anwesenden Menschen zu tun hat, so fühlt es sich einfach falsch an, dass ich derart Konsumieren kann, während andere kein Dach über dem Kopf, geschweige denn einen vollen Kühlschrank haben.

Außerdem fühlt es sich falsch an, dass ich es in den letzten 22 Jahren nicht ein einziges Mal geschafft habe, bei einer solchen Veranstaltung zu helfen. Konsumieren aber, das konnte ich schon immer sehr gut. Shoppen gehen, das konnte ich schon immer sehr gut. In ferne Länder fliegen, das konnte ich schon immer sehr gut. Aber helfen? So richtig helfen? Ich wüsste nicht, wann ich das jemals tat. Eine Schande für mich als Person. Eine Schande für jeden, der es selbst noch nicht geschafft hat zu helfen. Aber nun bin ich hier und helfe, was mich mehr als glücklich macht. Doch denke ich an die letzten 22 Jahre ohne Hilfe zurück, so läuft es mir eiskalt den Rücken hinunter. Und dabei weiß ich noch nicht einmal, was es wirklich bedeutet, wenn es einem eiskalt den Rücken hinunterläuft, weil man unter kalten Brücken sitzt, schläft und wohnt. Wie einige der hier anwesenden Menschen.

Auf meinem Weg vom Tisch der Frau zurück zur Essensausgabe, wo ich neue Teller holen möchten um sie anschließend zu verteilen, lächelt mich eine alte Dame aus einem Rollstuhl an. Einfach so. Und für einen kurzen Moment bin ich etwas überrascht, bevor ich ihr ein ehrliches, warmes Lächeln zurückwerfe. Lächeln. Das ist etwas, das äußerst viele Menschen in unserer Gesellschaft verlernt haben. Und ich ja offensichtlich auch, so überrascht wie ich für eine Millisekunde war. Die alte Dame aber, im Rollstuhl gefangen und auf ein Weihnachtsessen für Obdachlose und Bedürfte angewiesen, kann es. Lächeln. Einfach so. Das gibt mir Hoffnung. Hoffnung auf eine bessere Welt, in der entweder keine Veranstaltungen wie diese mehr nötig sind, weil es allen so gut geht, oder Hoffnung auf eine bessere Welt, in der viel, viel, viel mehr Menschen aufstehen und aktiv Helfen gehen, statt sich 22 Jahre ihres Lebens nur mit sich selbst zu beschäftigen.

Ich wünsche Allen eine schöne Weihnachtszeit. Weihnachten ist das Fest der Liebe und vor allem des Gebens! Wenn du denkst du kannst nichts geben, gib noch ein kleines bisschen mehr.

Matthew

Weihnachtsessen für Obdachlose und Bedürftige in Dresden | Matthias Limmer alias Mister Matthew als Weihnachtshelfer in der Ballsportarena in Dresden

Mister Matthew

Mister Matthew ist der Autor hinter dem Fashion Blog für Männer ,,Mister Matthew”. Seit 2014 berichtet er täglich über seine Outfits und Reisen, Events und Fashion Weeks, über aktuelle Trends und No-Gos, seinen Alltag und seine Erlebnisse. Mister Matthew liebt die guten und schönen Seiten des Lebens und ist ein positiver Mensch durch und durch. Sein Blog steht dabei für hochwertigen und einmaligen Inhalt.

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